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Leitfaden zur Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen

Rechtliche Grundlagen


Lissabon-Konvention


Im Zuge der so genannten ‚Lissabon-Konvention‘ (Übereinkommen zur Anerkennung von Qualifikationen im europäischen Hochschulraum) müssen sich alle Hochschulen an folgende Prinzipien halten:

  • Konzept des ‚wesentlichen Unterschieds‘ – Eine Anerkennung kann nur dann verweigert werden, wenn dem Prinzip der Gleichwertigkeit folgend ein wesentlicher Unterschied hinsichtlich der erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten identifiziert wurde.
  • Beweislastumkehr – Die Hochschule muss nachweisen, dass eine im Ausland erbrachte Leistung aufgrund eines ‚wesentlichen Unterschieds‘ nicht anerkannt werden kann.
  • Begründungspflicht und Widerspruchsrecht – Eine Ablehnung einer beantragten Leistungsanerkennung muss nachvollziehbar begründet werden. Der Antragsteller ist auf sein Widerspruchsrecht hinzuweisen (in Form einer Rechtsbehelfsbelehrung).
  • Informationen – Der Antragsteller muss für das angemessen durchzuführende Anerkennungsverfahren ausreichend Informationen zu seinem bisherigen Studium vorlegen. Dafür müssen aber auch alle Hochschulen entsprechende Informationen und Dokumente bereitstellen (z.B. Transcript of Records, Modulhandbücher u.ä.).

 

Prüfungsordnung


Die Prüfungsordnungen für die Bachelor- sowie die Masterstudiengänge regeln jeweils im § 8 die Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen. Grundsätzlich sind danach, der Lissabon-Konvention entsprechend, „Leistungen in anderen Studiengängen oder an anderen Hochschulen sowie an staatlichen oder staatlich anerkannten Berufsakademien […] bei Gleichwertigkeit anzurechnen“ (§ 8, Abs. 2, Satz 1). Von Gleichwertigkeit kann dann gesprochen werden, „wenn sich Leistungen in Inhalt, Umfang und in den Anforderungen von den geforderten nicht wesentlich unterscheiden“ (§ 8, Abs. 2, Satz 3).
Mit der Anerkennung von Leistungen ist im Fall eines Fach- bzw. Hochschulwechsels häufig auch eine Einstufung (vgl. § 8, Abs. 4) in ein höheres Fachsemester verbunden (siehe Empfehlung unten).
Mindestens 60 Leistungspunkte müssen an der Universität Bonn erbracht worden sein, um von der Philosophischen Fakultät den angestrebten Grad „Bachelor of Arts/Bachelor of Science“ verliehen zu bekommen. Für die Masterstudiengänge gilt entsprechend die Regelung von mindestens 30 an der Universität Bonn erworbenen Leistungspunkten. Zudem muss dafür auch die Bachelorarbeit bzw. die Masterarbeit in Bonn geschrieben worden sein. (Abweichungen von dieser Regelung können in den studiengangspezifischen Bestimmungen festgelegt werden.)
Der Antrag ist formal an den Prüfungsausschuss zu stellen, vertreten durch seine Geschäftsstelle, das Prüfungsbüro der Philosophischen Fakultät. Der Bescheid ist innerhalb von 10 Wochen zu erstellen (vgl. § 8, Abs. 6).
Die Noten sind gemäß den Originalleistungen zu übernehmen oder bei ausländischen Noten umzurechnen. „Bei unvergleichbaren Notensystemen wird der Vermerk ‚bestanden‘ aufgenommen.“ (§ 8, Abs. 7, Satz 3)


Das Verfahren der Leistungsanerkennung


Mit Ausnahme des Fachwechsels innerhalb der Universität Bonn (hier können häufig bereits erbrachte Leistungen automatisch vom Prüfungsbüro anerkannt und per Umbuchung dem neuen Studienkonto zugeordnet werden) erfolgt eine Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen grundsätzlich nur auf Antrag. Der Antrag kann auf den Internetseiten des Prüfungsbüros heruntergeladen werden (Link zum Antrag) und muss zusammen mit den Studiendokumenten (Transcript of Records, Zeugnis u.ä.) an das jeweils zuständige Fach geschickt werden, damit eine Fachempfehlung zügig erfolgen kann. Das ausgefüllte Anerkennungsformular wird anschließend an das Prüfungsbüro weitergeleitet, wo schließlich der Bescheid zur Anerkennung erstellt wird und die Notenverbuchung erfolgt.
Ein grundsätzlicher Hinweis: Idealerweise sollten vollständige Module angerechnet werden. Teilanrechnungen von einzelnen Modulelementen sind aber immer möglich.

 

Im Folgenden werden die Verfahren der häufigsten Anerkennungsszenarien jeweils kurz beschrieben.


Auslandssemester


Anerkennungen im Rahmen von Erasmus-Auslandssemestern erfolgen entsprechend der Erasmus-Universitätscharta in Form von Lernvereinbarungen (Learning Agreements), welche vor dem bzw. zum Abschluss des Auslandssemesters ausgestellt werden (siehe dazu auch die Informationen des International Office: www.erasmusprogramm.uni-bonn.de).
Die Anerkennung der im Rahmen des Auslandssemesters (dies gilt selbstverständlich auch für Auslandsstudien außerhalb der Erasmus-Vereinbarungen) erworbenen Studien- und Prüfungsleistungen erfolgt nach der Rückkehr an die Universität Bonn in direkter Rücksprache mit der Studienfachberatung. Unter Vorlage der Leistungsdokumentation aus dem Auslandssemester (Learning Agreement, Transcript of Records u.ä.) werden mit dem Anerkennungsformular des Prüfungsbüros die erbrachten Leistungen auf Bonner Module oder Modulbestandteile hin angerechnet. Das Formular wird samt Kopien der Leistungsdokumente aus dem Auslandssemester an das Prüfungsbüro weitergeleitet. Das Prüfungsbüro erstellt daraufhin einen Bescheid und verbucht die anerkannten Leistungen. Eine fehlerfreie Eintragung von Modulnummern und -titeln, Noten und Punkten unterstützt die zügige administrative Abwicklung im Prüfungsbüro.


Fachwechsel innerhalb der Universität Bonn


Eine direkte Anerkennung und Verbuchung im Prüfungsbüro erfolgt dann, wenn im Zuge eines Fachwechsels bereits erbrachte Modulleistungen aus dem bestehenden Studienkonto übernommen werden können. In diesen Fällen erfolgen einige Wochen nach Semesterbeginn die Leistungsanerkennungen und Umbuchungen automatisch über das Prüfungsbüro.
Für die Anrechnung von Leistungen, die nicht direkt umgebucht werden können, ist wiederum eine Fachempfehlung nötig, d.h. hier greift das übliche Antragsverfahren (Antrag, Fachempfehlung, Bescheid, Verbuchung).


Hochschulwechsel


Auch im Fall eines Hochschulwechsels ist eine aktive Antragstellung unverzichtbar, da selbst bei oft gleich bleibenden Fächern oder Fachkombinationen die ansonsten aber sehr heterogenen Studiengangstrukturen in Deutschland und in Europa eine gründliche fachliche Prüfung der bislang erbrachten Leistungen im Sinne der Prinzipien der Lissabon-Konvention nötig machen. Die Fristen für die Antragstellung beim Prüfungsbüro liegen jeweils zwei Wochen vor den üblichen Fristen für die Bewerbung auf Zulassung zum höheren Fachsemester, also zu einem Wintersemester bis 01.09. und zu einem Sommersemester bis 01.03. Der Antrag ist zusammen mit den Studiendokumenten direkt an das Prüfungsbüro zu richten, damit hier die fristgerechte Antragstellung vermerkt werden kann. Nach der Weiterleitung an das jeweilige Fach und erfolgter Fachempfehlung wird der abschließende Bescheid vom Prüfungsbüro an den Antragsteller zurückgesandt. Die auf dem Bescheid vermerkte Einstufung in ein höheres Fachsemester orientiert sich an der Formel ‚Regelstudienfortschritt minus 15 Leistungspunkte‘, um für das weitere Studium in Bonn die Möglichkeit des Abschlusses in der Regelstudienzeit weiter zu gewährleisten. Kommt der Antragsteller z.B. nach dem 2. Fachsemester nach Bonn und möchte hier nahtlos im 3. Fachsemester weiterstudieren, sollte er möglichst mindestens 45 Leistungspunkte erworben haben.
Hinweis: Bei einem Wechsel des Faches und/oder der Hochschule ohne Leistungsanrechnung wird mit dem Antrag auf Zulassung zum Prüfungsverfahren erklärt, dass das Studium im jeweiligen Fach nicht bereits endgültig nicht bestanden ist.

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